Die schwarz-rote Koalition hat sich geeinigt: Das neue Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) wird das umstrittene Heizungsgesetz der Ampelregierung grundlegend ersetzen. Für Eigentümer und Vermieter bringt es teils Erleichterungen — aber auch neue, dauerhafte Kostenpflichten, die ab 2028 wirksam werden.

Das Wichtigste in Kürze
Interaktiver Rechner
Was kostet Sie das neue Gesetz wirklich?
Berechnen Sie Ihre individuelle Mehrbelastung — Grundlage: Koalitionseckpunkte April 2026. Szenarien ohne Gewähr.
Ihre Immobilie
100
Kostenszenario

Biomethan-Aufpreis ca. 5–7 ct/kWh, CO₂-Preis ~150 €/t bis 2035

Ihre jährlichen Mehrkosten
Ab 2028
CO₂ + Netz
Ab 2029
+ Biogas
Bis 2040
kumuliert
Entwicklung der Eigentümer-Mehrkosten 2025–2040.
CO₂-Abgabe Biogas-Aufpreis Gasnetz-Anteil
Widget kostenlos einbetten — für Backlinks
<iframe src="https://david-gramzow.de/heizungsgesetz-rechner/" width="100%" height="620" frameborder="0" scrolling="no"></iframe>

Das neue Heizungsgesetz: Was sich für Eigentümer ändert

Das aktuelle GEG wird durch das GMG abgelöst. Die Einbaufreiheit für Gas- und Ölheizungen wird zurückgebracht, die 65-%-Pflicht für Bestandsgebäude fällt. Das Kabinett hat die für Juli 2026 geplante Frist bereits auf den 1. November verschoben. Was das neue Gesetz nicht tut: Es entlässt Eigentümer nicht aus der Verantwortung — stattdessen verlagert es die Kostenpflicht von der einmaligen Investition hin zu dauerhaften Betriebskosten.

„Klimaschutz muss für die Mieterinnen und Mieter bezahlbar bleiben.“

Matthias Miersch, SPD-Fraktionsvorsitzender, April 2026

Die „Bio-Treppe“: Was ab 2029 auf Sie zukommt

Kernstück des GMG ist die Bio-Treppe: ein stufenweises Pflichtprogramm zur Beimischung klimafreundlicher Brennstoffe für neue Heizungsanlagen ab 2029.

Ab 2029
10 %
Biogasanteil
Ab 2032
~20 %
Biogasanteil
Ab 2036
~35 %
Biogasanteil
Ab 2040
50 %+
Biogasanteil

Stufe 1 bis 4: Die Zeitlinie bis 2040 im Überblick

Je länger Eigentümer an fossilen Heizungen festhalten, desto teurer wird der Betrieb — weil Biomethan erheblich kostspieliger ist als Erdgas.

ZeitraumBiogas-PflichtanteilCO₂-Preis (progn.)Eigentümeranteil (vermietet)
2026–20270 % (Übergang)65–75 €/tBestandsregelung CO2KostAufG
20280 % (Grüngasquote)~95 €/t50 % CO₂ + 50 % Netzentgelt
2029–203110 %110–145 €/t50 % aller drei Komponenten
2032–2035~20 %158–200 €/t50 % aller drei Komponenten
2036–204035–50 %212–250 €/t50 % aller drei Komponenten
Prognosen auf Basis BEHG-Pfad und EU-ETS-Schätzungen. Angaben ohne Gewähr.

Grüngasquote ab 2028: Was das für Bestandsgebäude bedeutet

Auch wer keine neue Heizung einbaut, ist betroffen: Ab 2028 gilt eine Grüngasquote für bestehende Gasheizungen. Gasversorger müssen einen wachsenden Anteil grünes Gas einspeisen — die Mehrkosten werden hälftig zwischen Mieter und Vermieter geteilt.

Achtung: Doppelbelastung möglich. Wer 2027/2028 noch schnell eine neue Gasheizung einbaut, zahlt ab 2028 die Grüngasquote für den Bestand und ab 2029 den Biogas-Aufpreis für die neue Anlage — als Vermieter jeweils zur Hälfte.

Kostenteilung mit Mietern: Was das Gesetz konkret vorschreibt

Das ist der Kern der Einigung vom 30. April 2026: eine hälftige Teilung aller drei relevanten Kostenpositionen — Biogas-Aufpreis, CO₂-Abgabe und Gasnetzentgelte.

50/50-Regel: Wer zahlt was bei Biogas-Aufpreisen?

Mieteranteil (50 %)
  • 50 % des Biogas-Aufpreises
  • 50 % der CO₂-Abgabe (ab 2028)
  • 50 % der Netzentgeltsteigerung (ab 2028)
  • Schutz vor überhöhten Nebenkosten
Eigentümeranteil (50 %)
  • 50 % des Biogas-Aufpreises dauerhaft
  • 50 % der CO₂-Abgabe (ab 2028)
  • 50 % der Netzentgeltsteigerung (ab 2028)
  • 100 % bei Eigennutzung

CO₂-Abgabe und Gasnetzentgelte: Die neue Halbteilung

Die neue Regelung ist einfacher als das bisherige CO2KostAufG — für viele Eigentümer aber effektiv teurer, da die gebäudeindividuelle Effizienzstaffelung entfällt.

Kritik: Kein Anreiz für klimafreundliche Heizungen

Der Deutsche Mieterbund warnte: Für Vermieter entsteht durch die hälftige Teilung kein zusätzlicher Anreiz, klimafreundliche Alternativen zu wählen. Langfristig könnten Biogase die Heizkosten erheblich verteuern.

Gas- oder Ölheizung einbauen — noch möglich, aber mit Folgekosten

Der Einbau ist nach dem GMG weiter erlaubt. Der Haken: Mit einer neuen Gasheizung kauft man sich in ein System ein, das ab 2029 systematisch teurer wird.

Rechenbeispiel: 100 m² Altbau, Gasheizung, vermietet

Verbrauch ca. 16.000 kWh/Jahr. Realistisches Szenario:

→ Ihren individuellen Wert berechnen Sie mit dem Rechner oben.

Heizungstausch: Förderung bleibt — lohnt sich der Wechsel jetzt?

Die BEG bleibt vollständig erhalten. Wer auf eine Wärmepumpe umsteigt, kann mit bis zu 50 % Zuschuss rechnen (Grundförderung 30 % + Klimabonus 20 %).

Wärmepumpe mit Zuschuss: Wann ist der Break-even erreicht?

Bei typischen Investitionskosten von 18.000–25.000 € ergibt sich nach BEG-Abzug ein Eigenanteil von ca. 9.000–12.500 €. Der Break-even liegt je nach Gebäude bei 8 bis 14 Jahren.

Gasheizung behalten
  • Keine Investition heute
  • Ab 2028: laufende Mehrkosten (CO₂ + Netz)
  • Ab 2029: + Biogas-Aufpreis
  • Steigende Unsicherheit bis 2040
  • Möglicher Wertverlust der Immobilie
Jetzt auf Wärmepumpe wechseln
  • ~9.000–12.500 € Eigenanteil (nach BEG)
  • Keine Bio-Treppe, keine CO₂-Teilung
  • Stabile Betriebskosten, Planungssicherheit
  • Wertsteigerungspotenzial der Immobilie
  • Break-even typisch in 8–14 Jahren

Jetzt noch Gasheizung einbauen — oder besser warten?

Faustregel: Je schlechter die Dämmung und je größer die Fläche, desto schneller amortisiert sich eine Wärmepumpe gegenber den kumulierten Mehrkosten.

Timing-Risiko: Das GMG tritt voraussichtlich November 2026 in Kraft. Wer jetzt schnell handelt, gewinnt wenig — und bindet sich langfristig an ein System mit wachsenden Pflichtkosten.

Unsicher, was das für Ihre Immobilie bedeutet?

Als Immobilienökonom und Makler berate ich Eigentümer und Vermieter in Berlin zu Kaufentscheidungen, Modernisierungsmaßnahmen und langfristiger Wertstrategie.

DG
David Gramzow
Immobilienökonom & Makler · Berlin

Bachelor of Law (TU Dresden), Master in Real Estate Economics (IREBS). Gründer und Geschäftsführer einer Berliner Immobilien-GmbH. Mitglied im KI Bundesverband. Spezialist für Wohnimmobilien, Investorenberatung und Marktanalyse in Berlin.