Generationenvergleich Immobilienmarkt · Wissenschaftliche Analyse · Berlin, 2026

Babyboomer, Millennials, Gen Z — welche Generation hatte es auf dem Immobilienmarkt seit dem Zweiten Weltkrieg am schwersten?

Die kurze Antwort: Es kommt darauf an, wonach man fragt. Wer die monatliche Rate misst, sieht die 1980er als härteste Dekade — Bauzinsen bis 12 %, teils über 46 % des Haushaltseinkommens für ein Einfamilienhaus. Wer das Eigenkapital misst, sieht heute die höchste Einstiegshürde seit 1980. Der Engpass hat sich verschoben: Früher war der Kredit teuer. Heute ist der Eintritt teuer.
~14
Jahre Sparzeit für Eigenkapital heute (Kiel 2025)
6,8
Jahre brauchten Babyboomer dafür noch (Kiel 2025)
3,2×
Jahreseinkommen Eigenkapitalbedarf ETW heute
46 %
Hypothekenquote EFH Babyboomer-Hochzinsphase (Kiel)
44 %
Wohneigentumsquote D — EU-Ø ca. 70 % (Kiel 2025)
Stille Gen. 1928–45
Babyboomer 1946–64
Gen X 1965–79
Millennials 1980–95
Gen Z 1996–2010

Immobilienmarkt Deutschland 1950–2025: Der interaktive Generationenvergleich

Spielen Sie die Jahrzehnte durch. Geben Sie Ihr Einkommen ein und sehen Sie, wann Sie wie viel Immobilie hätten kaufen können. Ab 1980 Kiel-Methodik, davor eigene Schätzung.

Interaktive Analyse — 7 Tabs · Kiel-Methodik ab 1980 · 1950–1979 eigene Schätzung · Daten: Bundesbank, Destatis, GREIX, Kiel Institut
Stille Gen.
Babyboomer
Gen X
Gen Y
Gen Z
Nominalwerte & Methodik: DM-Werte bis 1990 zum Fixkurs 1 € = 1,95583 DM umgerechnet, keine Inflationsbereinigung. Ab 1980: Kiel-Methodik (verfügbares Haushaltseinkommen, variable LTV) — Kiel Policy Brief Nr. 200 (12/2025). 1950–1979: Eigene Schätzung auf Basis nationaler Durchschnittsdaten (Destatis, Bundesbank, Giersch/Paqué/Schmieding). Preisangaben 2025 sind Modellschätzungen. Stand: 2026.
Nominale Immobilienpreise & Einkommen 1950–2025
1950–1979 Eigene Schätzung1980–2024 Bulwiengesa, GREIX, Destatis
ETW 100 m² (Modellschätzung 2025)EFH 120 m² (Modellschätzung 2025)Bruttolohn (rechte Achse)

Bulwiengesa, GREIX/Uni Bonn, Destatis. 1950–1990: früheres Bundesgebiet. DM→EUR Fixkurs 1,95583. 1950–1979 & 2025: Eigene Schätzung.

Bauzinsen & Inflation 1950–2025
1950–1966 Schätzungab 1967 Bundesbank
Bauzins 10 J. (%)Inflation (%)

Bundesbank (ab 1967), Giersch/Paqué/Schmieding (1955–89), FMH/Interhyp (1990–2024). Inflation: Destatis VPI.

Hypothekenquote — Anteil des Haushaltseinkommens für Zins & Tilgung
Kiel-Methodik (ab 1980): Anteil des jährlich verfügbaren Haushaltseinkommens für Zins- und Tilgungskosten. Basis: VGR-Haushaltseinkommen, GREIX-Preise, historische LTV-Daten (Interhyp/vdp). Quelle: Kiel Policy Brief Nr. 200 (2025).
1950–1979 Eigene Schätzung: Individualeinkommen × Haushaltsfaktor 1,5, LTV 70 %, nationale Durchschnittspreise. Erhebliche Unsicherheit — dient der Einordnung, nicht der exakten Rekonstruktion.
Kernbefund Kiel: Trotz stark gestiegener Preise blieb die Hypothekenquote seit 1980 dank sinkender Zinsen relativ stabil. Die Einstiegshürde liegt beim Eigenkapital — nicht bei der Monatsrate.
ETW — KielEFH — KielETW/EFH Schätzung 1950–79

1980–2024: Kiel Policy Brief Nr. 200 (Amaral et al. 2025). 1950–1979: Eigene Schätzung auf Basis nationaler Durchschnittsdaten.

Eigenkapital & Spardauer — die zentrale Hürde
Kiel-Methodik (ab 1980): Eigenkapitalquote = Gesamter Eigenkapitalbedarf (inkl. Grunderwerbsteuer, Notar) ÷ Jahres-Haushaltseinkommen. Spardauer bei 20 % Sparquote. Kiel Policy Brief Nr. 200 (2025).
EKQ ETW — Babyboomer (1980–90)
1,7×
Jahreseinkommen · ~6,8 Jahre sparen
EKQ ETW — Einstiegsgen. (2015–24)
3,1×
Jahreseinkommen · ~14 Jahre sparen
EKQ EFH — Babyboomer (1980–90)
3,6×
Jahreseinkommen · ~14 Jahre sparen
EKQ EFH — Einstiegsgen. (2015–24)
5,5×
Jahreseinkommen · ~22 Jahre sparen
EKQ ETW — KielEKQ EFH — KielSchätzung 1950–79
Spardauer in Jahren (20 % Sparquote, Kiel-Methodik ab 1980)
Spardauer ETWSpardauer EFH

Kiel Policy Brief Nr. 200 (2025). EKQ = (1−LTV)×Preis + GrESt + Nebenkosten. GrESt: 2 % (1980–97), 3,5 % (1998–2006), Ø 5,5 % (2007+). LTV: Interhyp/vdp. 1950–79: Eigene Schätzung.

Preis-Einkommens-Index (PIR) — Jahresgehälter pro Immobilie
Methodik (eigene Berechnung): PIR = Kaufpreis ÷ Jahresbruttoeinkommen (Individualeinkommen, Destatis). Hinweis: Der PIR basiert auf Individualeinkommen, nicht auf dem verfügbaren Haushaltseinkommen der Kiel-Methodik. Für präzisere Belastungsanalyse → Tab „Eigenkapital & Spardauer".
PIR ETWPIR EFHGrün ≤5 · Gelb 5–8 · Rot >8

PIR = Kaufpreis ÷ (Bruttomonatslohn × 12). Destatis Bruttomonatsverdienste. Eigene Berechnung — kein Kiel-Ergebnis.

Mein Haushalt — Was hätte sich mein Einkommen wann leisten können?
Hinweis (Eigene Modellrechnung): Individualeinkommen-Basis. Berechnet den historischen Max-Kaufpreis bei 35 % Belastungsgrenze. Für Kiel-konforme Eigenkapitalanalyse → Tab „Eigenkapital & Spardauer". Nationale Durchschnittswerte.
Bruttogehalt/Mon. (€):
Leistbare Rate/Mon.
35 % Netto (Modellschätzung)
Max. Darlehen
80 % Beleihung
Max. Kaufpreis 2024/25
3,5 % Zins + 1 % Tilg. · Modellschätzung
Eigenkapital 20 %
ohne Nebenkosten
Max. Kaufpreis (Modell)Ø ETW (Schätzung)Ø EFH (Schätzung)
Zeitwert-Rechner — Was hätte Ihre Immobilie früher gekostet?
Methode (Eigene Modellrechnung): Benötigtes Einkommen als % des damaligen Durchschnittsgehalts — inflationsbereinigter Vergleich. Bewertung ab 1980 auf Basis Kiel-Hypothekenquoten. 1950–1979 auf Basis eigener Schätzungen.
Berlin-Hinweis: Berliner Preise stiegen 2010–2022 ca. 3–4× — nationale Werte unterschätzen Berliner Verhältnisse erheblich. Für regionale Daten: Kiel Policy Brief Nr. 210 (April 2026).
unter 100 %
Unter Ø
100–150 %
Leicht über Ø
150–200 %
Zwei Einkommen
über 200 %
Kaum finanzierbar
Ben. Brutto % des Ø-GehaltsIhr Niveau● Grün leistbar ● Rot zu teuer
JahrÄquivalenzpreisin DMBen. Brutto/Mon.% des Ø-GehaltsBewertungQuelle

Nationale Durchschnittswerte. Eigene Modellrechnung. Berlin-Hinweis: Berliner Preise stiegen 2010–2022 ca. 3–4× — nationale Werte unterschätzen Berliner Verhältnisse erheblich. Für regionale Daten: Kiel Policy Brief Nr. 210 (April 2026). Stand: 2026. Kiel-Datenstand: 1980–2024.


Immobilienmarkt Deutschland: Vier Thesen — was die Kiel-Daten wirklich bedeuten

Das Kiel Institut hat die Eigenkapitalhürde präzise vermessen. Diese Analyse gibt dem Befund einen Namen, eine historische Einordnung — und zieht politische Schlussfolgerungen. Jede These zeigt: was die Kiel-Daten belegen — und wo die Schlussfolgerung von David Gramzow beginnt.

These 1
Der Engpass hat sich verschoben — das ist die eigentliche Neuigkeit
Kiel Policy Brief Nr. 200 / 210 Hypothekenquote (monatliche Rate) blieb seit 1980 trotz stark gestiegener Preise relativ stabil. Die Eigenkapitalhürde hat sich seit 1980 nahezu verdoppelt — von 1,7× auf 3,2× Jahreseinkommen.
Gramzow Analyse Deutschland hat kein Finanzierungsproblem mehr — es hat ein Einstiegsproblem. Das sind zwei fundamental verschiedene Herausforderungen. Zinssubventionen helfen nur denen, die die Einstiegshürde bereits nehmen konnten. Alle anderen scheitern, bevor die Bank überhaupt rechnet.
These 2
Das Kaufjahr war wichtiger als das Geburtsjahr
Kiel Policy Brief Nr. 200 / 210 Die Eigenkapitalquote variierte stark je nach Kaufzeitpunkt: 1,8× um 2000–2010, 3,5× um 2020. Die Hypothekenquote erreichte 2020/21 trotz Niedrigzins fast das Niveau von 2015.
Gramzow Analyse „Die Jungen haben es schwerer als die Alten" — die Daten widersprechen dieser Pauschalisierung. Ein Millennial, der 2012 in Berlin kaufte, steht heute besser da als ein Babyboomer mit 12 % Zins von 1985. Ein Millennial, der 2021 kaufte, steht schlechter da. Das Kaufjahr schlägt den Geburtsjahrgang.
These 3
Eigenkapital ist die neue Klassengrenze — Erben ersetzt Sparen
Kiel Policy Brief Nr. 200 / 210 Familiäre Vermögenstransfers (Schenkungen, Erbschaften) haben erheblich an Bedeutung für den Immobilienerwerb gewonnen. Der Anteil der Eigenmittel aus reiner Ersparnis ist gesunken.
Gramzow Analyse Wohneigentum war jahrzehntelang eine einkommensbasierte Entscheidung. Es wird zur vermögensbasierten. Wer erbt, kann kaufen. Wer aus eigener Kraft spart — und gleichzeitig 30–40 % seines Einkommens in Miete zahlt — scheidet strukturell aus. Das ist eine neue, systemische Form sozialer Ungleichheit, die durch Zinspolitik allein nicht lösbar ist.
These 4
Generation X ist der blinde Fleck der gesamten Debatte
Kiel Policy Brief Nr. 200 / 210 Die günstigsten Kaufbedingungen im gesamten Beobachtungszeitraum 1980–2024 lagen bei Eigenkapitalquoten von 1,8× und Hypothekenquoten von 18 % — beide in den Jahren 1995–2010.
Gramzow Analyse Die Öffentlichkeit debattiert Babyboomer gegen Millennials. Generation X kommt praktisch nicht vor. Dabei kaufte sie unter den günstigsten Bedingungen der letzten 40 Jahre — und ist der größte stille Immobilienvermögens-Gewinner der deutschen Nachkriegsgeschichte. Dieser blinde Fleck verzerrt die gesamte Generationendebatte.

Transparenz: Was ist Kiel-Primärforschung, was ist eigene Modellrechnung?

Nicht jede Zahl hat dieselbe Datenqualität. Die folgende Tabelle zeigt es auf einen Blick.

Aussage / KennzahlDG  David Gramzow AnalyseKiel  IfW Kiel Policy Brief
Hypothekenquote 1980–2024✓ Kiel-Werte übernommen und visualisiert✓ Primärquelle — Nr. 200 (2025)
Eigenkapitalquote & Spardauer 1980–2024✓ Kiel-Werte übernommen (1,7× bis 3,2×; 6,8–14 J.)✓ Primärquelle — Nr. 200 (2025)
Daten 1950–1979Eigene Schätzung — Destatis, Bundesbank, Giersch/Paqué/Schmieding 1992. Zur historischen Einordnung.Nicht abgedeckt (Studie beginnt 1980)
Generationen-Narrative & vier ThesenEigene Schlussfolgerungen auf Basis der Kiel-Daten und eigener MarktbeobachtungKeine Generationen-Narrative — reine Datenanalyse
Politische ForderungenEigene Position — KfW-Eigenkapitalprogramm, GrESt-Erststarter-Befreiung, SparprämieGrESt-Senkung + Grundsteuer-Erhöhung (Kiel-Empfehlung)
PIR, Haushalts- & Zeitwert-RechnerEigene Modellrechnungen auf Basis nationaler DurchschnittswerteNicht Bestandteil der Kiel-Methodik
Regionale Kreisdaten (Berlin, Hamburg etc.)Qualitative Einordnung; Verweis auf Kiel Nr. 210✓ Primärquelle — Nr. 210 (April 2026)

Bauzinsen, Eigenkapital, Kaufpreis: Die härtesten Jahrzehnte im Vergleich seit 1980

1985
Härteste Monatsrate — aber günstigstes Eigenkapital

Bauzins bis 12 %. EFH-Hypothekenquote: über 46 % des Haushaltseinkommens. Wer kaufen konnte, startete mit nur 1,7× Jahreseinkommen Eigenkapitalbedarf für eine ETW.

2000–10
Historisch günstigstes Fenster im Kiel-Zeitraum seit 1980

Stagnierende Preise, fallende Zinsen, Eigenkapitalquote 1,8×. Generation X kaufte unter Bedingungen, die seither nicht mehr aufgetreten sind.

2012–16
Niedrigzins-Sonderfenster: Wer früh kaufte, hat gewonnen

Bauzins unter 1 %, Preise noch moderat. Wer in Berlin 2012 kaufte, hat den Wert seiner Immobilie bis heute vielfach mehr als verdoppelt.

2024/25
Höchste Eigenkapitalhürde seit 1980 — Eintritt schlägt Rate

Monatsrate nicht Rekord — aber Eigenkapitalbedarf bei 3,2× Jahreseinkommen, Spardauer ~14 Jahre. Man scheitert vor dem Bankgespräch, nicht daran.

Das zentrale Ergebnis: 1985 scheiterte man an der Monatsrate. 2024/25 scheitert man am Eigenkapital. Das ist ein strukturell anderes Problem — und lässt sich nicht durch sinkende Zinsen allein lösen. Das Kaufjahr war dabei oft wichtiger als das Geburtsjahr.

„Mit einer realistischen Sparquote von 20 Prozent des verfügbaren Einkommens müssen Haushalte heute rund 14 Jahre sparen, um das notwendige Eigenkapital zu erreichen — doppelt so lang wie in den 1980er-Jahren."

— Jonas Zdrzalek, Projektleiter GREIX, Kiel Institut für Weltwirtschaft — Pressemitteilung zu Kiel Policy Brief Nr. 200 (Dezember 2025)

Babyboomer, Gen X, Millennials, Gen Z: Wer hatte den schwersten Immobilieneinstieg?

Babyboomer
Jg. 1946–64 · Kauf ~1980–95
Hoher Zins, günstige Schwelle — scheiterte an der Monatsrate
9,5–12 % Bauzins. Einfamilienhäuser fraßen über 46 % des Haushaltseinkommens. Für Einzelverdiener oft nicht tragbar. Der Eigenkapitalbedarf war jedoch mit 1,7× Jahreseinkommen für eine ETW am geringsten im gesamten Beobachtungszeitraum.
~12 %
Bauzins Hochphase
1,7×
EK-Bedarf ETW (Kiel)
6,8 J.
Spardauer (Kiel)
Urteil: Rat war das Problem — nicht der Eintritt.
Generation X
Jg. 1965–79 · Kauf ~1995–2010
Vergessene Käufergeneration — kaufte im besten Fenster
Preise stagnierten oder sanken real. Zinsen fielen von über 10 % auf 3,5 %. Hypothekenquote bei historisch niedrigen 18 % des Haushaltseinkommens. Wer in diesem Fenster kaufte, bildete erhebliches Vermögen — wird in der Debatte kaum wahrgenommen.
18 %
Hypothekenquote ETW (Kiel)
1,8×
EK-Bedarf ETW (Kiel)
~7,5 J.
Spardauer (Kiel)
Urteil: Historisch günstigstes Fenster seit 1980. Kaufjahr entschied alles.
Frühe Millennials
Jg. 1980–90 · Kauf ~2010–16
Niedrigzins-Gewinner — wer früh kaufte, hat alles richtig gemacht
Bauzins unter 1–2 %, Preise noch moderat. Hypothekenquote rund 20 % — günstig wie selten. In Berlin, München, Hamburg vielfach Verdopplung oder mehr bis heute. Das Kaufjahr war wichtiger als das Geburtsjahr.
<2 %
Bauzins Tiefsphase
20 %
Hypothekenquote ETW (Kiel)
2×+
Wertzuwachs Berlin
Urteil: Wer 2012 kaufte, hat gewonnen. Kaufjahr schlägt Geburtsjahrgang.
Späte Millennials & Gen Z
Jg. ab ~1990 · Kauf ~ab 2018
Höchste Eigenkapitalhürde — Erben ersetzt Sparen
Preise +94 % (2010–2022), dann Zinsnormalisierung auf über 4 %. Eigenkapitalbedarf 3,2× Jahreseinkommen, Spardauer ~14 Jahre — doppelt so lang wie Babyboomer. Wer kein Familienvermögen mitbringt, kämpft strukturell benachteiligt.
3,2×
EK-Bedarf ETW (Kiel)
~14 J.
Spardauer (Kiel)
+94 %
Preisanstieg 2010–22 (Destatis)
Urteil: Früher war der Kredit teuer. Heute ist der Eintritt teuer.

Wichtige Differenzierung: Die monatliche Hypothekenquote ist heute nicht die höchste aller Zeiten — das waren die 1980er Jahre mit teils über 46 % für Einfamilienhäuser. Der entscheidende Unterschied: 1985 scheiterte man an der Monatsrate. 2024/25 scheitert man bereits vor dem Bankgespräch — am fehlenden Eigenkapital. Zwei verschiedene Hürden, zwei verschiedene politische Lösungen.


Eigenkapitalhürde senken: Drei Forderungen für mehr Wohneigentum in Deutschland

Das Problem ist identifiziert. Die Frage ist, welche politischen Instrumente tatsächlich helfen — und welche nur an der Oberfläche kratzen. Maßnahmen, die nur die Monatsrate senken, helfen ausschließlich denen, die das Eigenkapital bereits aufbringen konnten. Sie lösen das strukturelle Einstiegsproblem nicht.

Forderung 1 — KfW-Eigenkapitalersatz-Programm für Erststarter

Das fehlende Eigenkapital ist der Flaschenhals. Der naheliegende politische Hebel: ein staatliches Nachrangdarlehen, das bei der Bankfinanzierung als Eigenkapital angerechnet wird. Das Prinzip existiert in einigen Bundesländern bereits (z. B. NRW.Bank Eigenkapitalersatzdarlehen, L-Bank Baden-Württemberg) — aber nicht bundesweit, nicht für alle Einkommensgruppen und nicht in ausreichender Größenordnung.

Ein KfW-Eigenkapitalprogramm für selbstgenutztes Wohneigentum — als 20–30 %iges Nachrangdarlehen ohne laufende Zinslast in den ersten 5 Jahren — würde die Spardauer faktisch halbieren. Es wäre kein Geschenk, sondern ein tilgbares Darlehen. Es würde gezielt jenen helfen, die aus eigenem Einkommen sparen, aber strukturell keine Chance haben, die Einstiegsschwelle allein zu nehmen.

Vergleich UK: Das britische „Lifetime ISA" kombiniert staatliche 25 %-Prämie auf Eigenkapital-Spareinlagen mit einer Verwendungspflicht für den Erstwerb. Das ist kein Transfersystem — es hebelt Eigenersparnisse. Ein ähnliches Modell wäre für Deutschland machbar und fiskalisch deutlich günstiger als zinsseitige Subventionen.

Forderung 2 — Grunderwerbsteuer-Befreiung für Erststarter

Die Grunderwerbsteuer ist die direkteste Stellschraube für die Eigenkapitalhürde. Sie variiert je nach Bundesland zwischen 3,5 % und 6,5 % — und ist politisch gesetzt, nicht marktgetrieben. In Berlin fallen bei einem ETW-Kauf für 330.000 Euro allein 19.800 Euro GrESt an, bevor die Bank überhaupt prüft.

Die Kiel-Studie empfiehlt eine allgemeine Senkung kombiniert mit Grundsteuer-Erhöhung. Meine These geht weiter: Eine vollständige GrESt-Befreiung für den Erstwerb selbstgenutzten Wohneigentums — gedeckelt auf einen Kaufpreisanteil — würde die Eigenkapitalhürde direkt um 3–5 Jahreseinkommen-Prozentpunkte senken. Das ist kein Subventionsprogramm für Reiche (die kaufen sowieso), sondern eine gezielte Entlastung der Einstiegskohorte.

Forderung 3 — Wohneigentums-Sparprämie als Haltesubstitut für Mietwohnungen

Wer zur Miete wohnt und gleichzeitig Eigenkapital anspart, zahlt in Großstädten 30–40 % seines Einkommens an Miete. Das lässt strukturell kaum Sparrate übrig. Ein staatlich gefördertes Wohneigentums-Sparkonto (nach dem Vorbild des deutschen Bausparens, aber ohne die Zinsnachteile) mit einer jährlichen Prämie von 10 % auf Eigenkapitaleinzahlungen bis zu einem Höchstbetrag würde Eigenkapital-Sparen gegenüber Konsum und Miete steuerlich attraktiver machen.

Deutschland im europäischen Vergleich: Wohneigentumsquote rund 44 % — deutlich unter dem europäischen Durchschnitt von rund 70 % (Kiel 2025) — und sinkend. Gleichzeitig: Deutschland hat mit die höchsten Grunderwerbsteuersätze, keine Erststarter-Befreiung und kein bundesweites Eigenkapital-Förderprogramm. Die Lücke gegenüber dem EU-Durchschnitt ist kein Kulturphänomen — sie ist Ergebnis politischer Entscheidungen, die sich rückgängig machen lassen.


DG
David Gramzow
Immobilienmakler & Baufinanzierungsberater · Berlin · david-gramzow.de

Bachelor of Law (TU Dresden), Master in Real Estate Economics (IREBS Regensburg). Inhaber David Gramzow Immobilienvermittlung + Baufinanzierung, Leipziger Platz 16, Berlin. Mitglied KI Bundesverband. Gründer keymacht.ai — KI-gestützte Immobiliensuche. Zitiert u.a. in Berliner Morgenpost und Immobilien Zeitung.

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Quellennachweis

Alle Berechnungen basieren auf nationalen Durchschnittswerten. 1950–1979: Eigene Schätzung / Näherungsberechnung auf Basis nationaler Durchschnittsdaten (Destatis, Bundesbank, Giersch/Paqué/Schmieding 1992). Ab 1980: Kiel-Methodik (Kiel Policy Brief Nr. 200, Dezember 2025). Eigenkapital- und Hypothekenquoten: Kiel Policy Brief Nr. 200. Regionale Daten: Kiel Policy Brief Nr. 210 (April 2026). Regionale Abweichungen (insbes. München, Berlin, Hamburg) können erheblich von nationalen Werten abweichen. Keine individuelle Finanzberatung. Stand: 2026. Kiel-Datenstand: 1980–2024. Autor: David Gramzow, Berlin.