Rich Kids & junge Erben – eine neue Kraft am Berliner Immobilienmarkt
Der Berliner Immobilienmarkt erzählt derzeit zwei völlig unterschiedliche Geschichten. Auf der einen Seite stehen klassische Käufer, die mit steigenden Zinsen, strengeren Bankanforderungen und begrenztem Eigenkapital kämpfen. Auf der anderen Seite begegnet man immer häufiger einer ganz anderen Käufergruppe: jung, entscheidungsstark und finanziell erstaunlich unabhängig. Nicht selten Mitte zwanzig, ohne Banktermin, ohne Finanzierungsstress.
Die Dimension dieser Entwicklung ist enorm. Schätzungen zufolge werden in Deutschland jährlich rund 400 Milliarden Euro vererbt oder verschenkt [1]. Die offiziellen Zahlen liegen selbst bereits bei über 60 Milliarden Euro jährlich [2]. Ein erheblicher Teil dieser Vermögensübertragungen bleibt statistisch unsichtbar – prägt den Immobilienmarkt aber massiv.
„Der Wettbewerb findet nicht mehr nur zwischen Einkommen statt, sondern zwischen Vermögen und Nicht-Vermögen." — David Gramzow, Immobilienmakler Berlin
Auffällig ist, dass Erben heute jünger sind als noch vor einigen Jahrzehnten. Während Vermögen früher oft erst im höheren Alter übertragen wurde, gewinnen Schenkungen zu Lebzeiten zunehmend an Bedeutung – auch, um steuerliche Freibeträge optimal zu nutzen. Laut einer Studie der Deutschen Bank rechnen 34 % der zukünftigen Erben mit mindestens 250.000 Euro [3].
In über 50 % der Erbfälle sind Immobilien enthalten [2]. Wer also erbt, erbt häufig genau die Assetklasse, die aktuell besonders knapp und begehrt ist. Die oberen 10 % der Begünstigten profitieren überproportional von diesen Transfers [4] – eine Entwicklung, die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und die Deutsche Bundesbank in ihren aktuellen Studien bestätigen [5].
Zwei Praxisbeispiele aus Berlin
Wohnung an der Spree – vollständig ohne Bank finanziert
Ein angestellter Architekt, Ende zwanzig, interessiert sich für eine Wohnung direkt an der Spree mit solidem Eigenkapital. Die Bank spielt nicht mit. Innerhalb kurzer Zeit wird im familiären Umfeld Kapital organisiert – der Kaufpreis wird vollständig ohne Bankfinanzierung gestemmt. Nicht Einkommen, sondern Familie entscheidet über den Zugang zum Eigentum.
Denkmalvilla mit Remise – Sanierung im sechsstelligen Bereich, kein Kredit
Bei einer Denkmalvilla in Alt-Marienfelde steht nicht die Frage im Vordergrund, ob eine Finanzierung möglich ist – sondern ob die Immobilie gefällt. Das notwendige Kapital stammt aus dem familiären Umfeld in Süddeutschland. Der Sanierungsaufwand lag im sechsstelligen Bereich – ein Volumen, bei dem viele Banken das Projekt nicht finanziert hätten.
Fazit: Nicht mehr das Gehalt entscheidet darüber, wer kaufen kann – sondern die Frage, ob geerbt wurde. Der Immobilienmarkt entwickelt sich von einem Leistungsmarkt zu einem Vermögensmarkt.